NSU Prozess | 134. Prozesstag: Ein besonders dreister Fall von Ahnungslosigkeit

Am Dienstag und damit dem 134. Verhandlungstag des NSU-Prozesses war der Zeuge Jürgen Länger geladen. Dieser war bereits im November als Zeuge im Prozess, machte allerdings von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch – da er sich mit einer Aussage selber belasten müsste. Diesmal erschien er in Begleitung des Anwalts Jauch, der bereits mehrfach rechte Zeugen in diesem Verfahren begleitet hat.

Der Anklage nach handelt es sich bei Länger um eine Person, die daran beteiligt war, dass die Mordwaffe Ceska 83 aus der Schweiz nach Deutschland und letztlich zum NSU gelangte. Konkret soll er die Waffe von Enrico Theile erhalten und an Andreas Schulz übergeben haben. Letzterer habe diese in dem rechten Szeneladen „Madley“ angenommen und dann an den Angeklagten Carsten Schultze übergeben.

Diese Auffassung beruht unter anderem auf den Aussagen von Andreas Schulz. Länger behauptete vor Gericht jedoch, dass er diesen nicht kenne und generell nichts mit der rechten Szene zu tun zu haben.
Er sei sowohl auf rechten, als auch linken Demos gewesen, wobei er auf der Suche nach Spaß sei und sich nicht als politisch begreife.
In dem Geschäft „Madley“ wäre er nur gewesen, um sich Schuhe zu kaufen. Von einer Waffe wisse er nichts. Der Zeuge Schulz müsse ihn verwechselt haben – Länger spekuliert vor Gericht auch darüber, ob Schulz die Aussage nicht möglicherweise in einem „Drogenrausch“ getätigt habe.

Generell gab sich Jürgen Länger unwissend, musste aber aufgrund von Nachfragen immer wieder Dinge einräumen. So gab er beispielsweise an, Ralf Wohlleben zu kennen, Böhnhardt allerdings nicht. Im Verlauf der Befragung kam allerdings heraus, dass er Böhnhardt sehr wohl kannte. Darüber hinaus wurde auf seinem beschlagnahmten Computer unter anderem ein Video gefunden, auf dem neben Böhnhardt auch Gerlach und Kapke an einem Fußballturnier teilnehmen.

Die Fundsachen auf seinem Computer machten den Zeugen generell eher unglaubwürdig – allerdings war er um keine Ausrede verlegen. Beispielweise angesprochen auf eindeutig rechte Daten auf seinem Computer sagte er, er habe für einen Bekannten den Computer repariert und habe ein Backup dieser Daten gemacht. Grundlegend schien er sich für keine noch so plumpe Antwort zu schade.

Auch die vermeintlich lose Verbindung zu Wohlleben konnte der Befragung nicht wirklich stand halten. Zu Beginn des Prozesstages gab Länger an, er habe Wohlleben einige Male gesehen, aber kenne ihn nicht wirklich. Später stellte sich heraus, dass er einen engen Kontakt zu Mitgliedern des Thüringer Heimatschutzes hatte.

Insgesamt ein sehr nebulöser Zeuge, der in der Tradition der Zeug*innen aus der rechten Szene nichts weiß und sich an nichts erinnern kann. Dieser Zeuge stellte sich dabei allerdings besonders tollpatschig an und verstrickte sich in einige Widersprüche.

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