Pirat*innen entern Antifa!?

Dass die Piratenpartei und deren Mitglieder beizeiten komische Sachen von sich geben und auch kein Problem damit haben, Holocaustleugner*innen in ihren Reihen aufzunehmen bzw zu dulden, ist hinreichend bekannt. Nun allerdings wird sich von einzelnen Mitgliedern in konkreter Anti-Antifa Arbeit versucht…

Unter dem Hashtag #Listengate macht es gerade online die Runde – Wie bekannt wurde, betreiben rechte Mitglieder der Piratenpartei eine HP, auf der eine Software läuft, die Tweets von Twitterern crawlt.  Insgesamt sind dort mittlerweile ber ü4000 Twitterclients indiziert und deren Aussagen auf Twitter mitsamt Screenshots gesammelt. Bei den Tweets handelt es sich nicht um irgendwelche, sondern um Tweets von als links verorteten Parteimitgliedern, Journalist*innen anderen als links verorteten Aktivist*innen auf Twitter. Beispielsweise ist „Nazi“ ein Suchbegriff des Crawlers, wodurch eindeutig Menschen erfasst werden, die sich kritisch mit Nazis befassen.

Der Crawler erstellt mit den Daten eine öffentlich einsehbare und durchsuchbare Datenbank. Insgesamt erinnert das Ganze eher an die Aktion eines Geheimdienstes, als die von Mitgliedern einer Partei, die sich für Netzfreiheit und gegen Überwachung aussprechen.

Einsehbar ist die Datenbank unter folgendem Link.

Betroffen sind sowohl Einzelpersonen als auch die Accounts von Gruppen. Ob ihr bereits von dem crawler erfasst worden seit, könnt ihr auf der HP direkt nachsehen – dafür einfach ans Ende der Seite scrollen. Dort sind alle indizierten Accounts alphabetisch gelistet.

Betrieben wird die Seite von einer Gruppe innerhalb der Piratenpartei: Konrad-Zuse-Crew. Der Namensgeber der „Crew“ lebte im Nationalsozialismus und arbeitete für die Kriegsindustrie, für die er erste Computer entwickelte. Auch wenn er nie Mitglied in der NSDAP war, wurde er finanziell unter anderem durch diese und andere Institutionen des Nationalsozialismus gefördert. Alleine diese Namensgebung spricht demnach schon für die politische Ausrichtung dieser Gruppe. Generell fallen die Mitglieder dieser Gruppe durch revanchistische Kommentare in alle Richtungen auf.

Auf ihrem Twitter-Account posten sie auch stolz: „Crawler 24h Statistics: 102689 Screenshots 4048 Users 4364 NEW!

Darauf angesprochen (auf Twitter) reagieren verschiedene Mitglieder der Piratenpartei (vor allem Menschen aus den Vorständen), wie immer wenn sie Kritik ob ihrer Mitglieder und deren Handlungen erfahren: „Was können wir denn dafür, was unsere Mitglieder machen?“ Praktischerweise können sie sich dabei auch immer auf eine Satz auf der besagten HP beziehen:

THIS SITE IS NOT ASSOCIATED WITH THE PIRATEPARTY AND ITS IT-DEPARTMENT

Da wird dann von „Blödsinn […], der irgendjemand™ in, an oder um die Partei herum verzapft“ gesprochen und sich aus der Verantwortung gezogen. Darüber hinaus werden die Menschen, die bei Pirat*innen nachfragen, teilweise persönlich beleidigt. In mindestens einem Fall handelt es sich bei den Nachfragenden auch um einen Account, der besonders umfangreich indiziert wurde.

Der Initiator der HP, Simon Lange, äußert sich unter anderem wie folgt zu der Seite:

Crawler sind etwas komplett normales. Jeder der öffentlich Nachrichten im Netz verbreitet, muss sich im Klaren sein, dass diese Nachrichten erfasst, indexiert, kategorisiert und verwertet werden. Daher sollte man nur Dinge von sich publizieren, für die man auch morgen noch in den Spiegel schauen kann.

Als Motivation führt er auf, dass er unter anderem auf Twitter gemobbt werde und er mit dem Crawler folgende Zwecke verfolge:

  1. Abmahnungen auf provozierte Reaktionen sind damit deutlisch erschwert.
  2. Recherchezwecken.
  3. Dokumentation von Ereignissen (Bombergate, Molligate, aBPT, …)

Abgeschlossen wird sein Statement mit einer Aussage, wie sie 1zu1 von einem Geheimdienst kommen könnte:

Die Suchmaschine läuft solange, bis die Machenschaften bestimmter Kreise unterbunden werden und nachhaltig die Vorstände Mitgliederschutz, unsere Satzung und unsere Grundwerte wieder vorleben und durchsetzen. Denn sein wir mal ehrlich, ich kann mit den Ressourcen auch anderes anfangen. Noch braucht es die Suchmasschine. Noch.

Ich muss das machen, weil mich der aktuelle Zustand dazu zwingt…Ich finde das ja eigentlich auch nicht gut, aber…Bekannte Floskeln.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Projekt um eine sehr skurrile Sache. Auch wenn den Ausführungen von Simon Lange über den Zweck und die Motivation glauben geschenkt wird, sollte ihm klar sein, dass er mit dieser Datenbank Geheimdiensten und Nazis die Arbeit abnimmt und diese sich sicherlich darüber freuen. Wenn sich der Backround von Lange und der „Konrad-Zuse-Crew“ angeschaut wird, lässt sich maximal wohlwollend sagen, dass sie das billigend in Kauf nehmen. Es ist aber keinesfalls auszuschließen, dass das ein Teil ihrer Motivation ist.

Und leider zeigt auch die Piratenpartei keine angemessene Reaktion darauf. Es mit einem „das geht uns nichts an“ abzutun passt zum Verhalten der letzten Jahre und bestätigt ein weiteres mal, dass es sich bei der Piratenpartei um ein Auffangbecken für Revanchist*innen aller couleur handelt und es keine Probleme damit gibt auch offen rechte Menschen in den eigenen Reihen zu haben – Im Kampf um die „richtige Sache“.  Da lässt sich dann sehr leicht feststellen, dass der linke Anstrich, den die Pirat*innen sich geben und auf den viele Menschen reinfallen, sehr dünn ist.

Abschließend noch ein paar Worte zu einer Info, die aktuell unter anderem auf Twitter und linksunten.indymedia die Runde macht: Die HP sei auf einem Server gehostet, auf dem auch Seiten der NPD bzw Nazis allgm, liegen. Diese Information konnte bisher weder bestätigt noch widerlegt werden. Faktisch liegt die HP auf einem Server von  Firma5. Welche Seiten dort noch gehostet werden, lässt sich nicht mal eben so feststellen. Auch bei dem Besitzer der Serververmietung lassen sich keine Hinweise auf eine Naziverbindung feststellen.

 

Von daher sollte diese Aussage mit dem „Nazi-Server“ mindestens kritisch betrachtet  und nicht unkommentiert gestreut werden.

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10 Gedanken zu „Pirat*innen entern Antifa!?“

  1. Die Namen lösen auf die IPs 162.159.246.73 und 162.159.245.73 auf. Dort finden sich u.a. folgende Domains:
    – goote.ch
    – ausfirst.co
    – zuse-crew.de
    – keys.zuse-crew.de
    – stats.zuse-crew.de
    – podcast.zuse-crew.de
    – popcornpiraten.zuse-crew.de
    – bundes.it
    – tsearch.bundes.it
    – startchart.com
    – scryptguild.com
    – alphamaldives.com
    – creativesocialblog.com
    – jadopado.net
    – phpacademy.org
    – ushaaqallah.mobi

    Dazu noch ein paar Clownflare-Sachen:
    – app.isignair.com.cdn.cloudflare.net
    http://www.hailprotector.com.cdn.cloudflare.net
    – cf-ssl19969-protected-www.hailprotector.com.cdn.cloudflare.net
    http://www.ceacisp.org.cdn.cloudflare.net
    – cf-ssl17771-protected-www.ceacisp.org.cdn.cloudflare.net

    Ich kann mich zwar auch sehr irren, aber das mit den Naziseiten halte ich für ein Gerücht.

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  2. Danke für diesen Artikel, find ich wirklich gut! Nur stellt sich mir immer noch die Frage, woher ihr denn nun die Schlagwörter wisst, die der Crawler benutzt?
    Dass so eine Liste problematisch ist und Simon Lange ein Idiot ist, sollte klar sein. Aber ihm auch die konkrete Absicht zu unterstellen, für die Nazis zu arbeiten, ist halt noch mal was anderes, zumindest in meinen Augen. Und ich finde beim spontanen herumsuchen leider nirgends eine Quelle für diese Behauptung mit den Schlagwörtern für den Crawler. Laut Aussage von Simon Lange wurden ja alle auf der Liste http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:Benutzer_hat_Twitter in den Crawler aufgenommen. Gibt es da irgendwelche Gegenbelege, wie kam mensch an andere Informationen ran etc?

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    1. Es wurden auf jeden Fall auch Accounts gecrawled, die nicht auf dieser Liste zu finden sind. Unter anderem Accounts von mehreren Zeitungen, Journalist*innen und Institutionen die nichts mit der Piratenpartei zu tun haben, sich aber größtenteils als, im weiteren Sinne links fassen lassen.

      Die Info mit dem Nazi-Suchbegriff des Crawlers hat seinen Ursprung auf der Seite TOP5 Lists auf der es unter anderem das Ranking „TOP5 Lists of Kartoffel-Tweets and Nazi-Tweets by Account“ gibt.
      Damit ist nicht klar, dass die Leute damit vom Crawler erfasst worden sind, aber zumindest ist das eine offensichtliche Aufgebe der durch den Crawler erstellen Datenbank.

      Wie genau der Crawler gebaut ist, kann ich dir nicht sagen. Lange argumentiert in diversen Kommentarspalten immer damit, dass der crawler lernt und er dann einfach auch nicht sagen könne, wie einzelne Account auf die Listen gekommen sind.

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  3. Achso, noch zum „Konrad Zuse“. Auch unsere Uni hatte einen „Konrad Zuse“ Bau erstellen wollen und sich erst recht spät dazu entschieden, ihn nur „Zuse Bau“ zu nennen. Dem Namen ansich eine politische Gesinnung zuzuschreiben, halte ich für zu flach. Dann bitte auch Informationen, was diese Zuse-Crew eigentlich macht und weshalb ihr die politische Gesinnung zugeschrieben wird. Konrad Zuse war immerhin immer noch die erste Person, die einen funktionsfähigen Computer erstellt hat und war damit für die Entwicklung der Computer sehr wichtig und findet dementsprechend auch außerhalb von Nazi-Kreisen häufig Anerkennung und Ehrung.

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    1. Ich habe auch nicht geschrieben, dass sich nur Nazis positiv auf Zuse beziehen können.
      Und seine Erfindungen in allen Ehren, sind diese halt im Nationalsozialismus, gefördert durch diesen, entstanden. Und ich finde es dann einfach schon problematisch, sich positiv auf einen Menschen zu beziehen, der Computer für die Rüstungsindustrie des Nationalsozialismus entwickelt hat.
      Jetzt kann argumentiert werden, dass Erfindungen oftmals missbraucht werden – finde ich an dieser Stelle aber nicht angebracht, weil er konkret durch nationalsozialistische Gelder finanziert wurde.

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  4. also wenn die erfindung eines computers durch die nazis mit geldern für rüstungsforschung möglich war, dann find ichs echt scheiße von dir dass du einen computer benutzt… jetzt mal ehrlich…

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  5. Manch „Argument“ bereitet wirklich fast körperliche Schmerzen..
    Man kann nur daß @geekritik niemals in einen VW steigt und niemals Kindergeld bezogen hat oder beziehen wird.

    Manchmal möchte man schreien angesichts der krampfhaften Negierungsucht.

    Nach solcher Logik darf ich also auch kein Vegetarier sein. War der GröFaZ schließlich auch..
    Mannoman werdet erwachsen..

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  6. Im Gegenteil, Computer für antifaschistisches Engagement zu verwenden ist logischerweise subversiv und toll.

    Und auch meiner Meinung nach ist eine Ehrenbekundung qua Namensnennung für einen Opportunisten, der anscheinend nie bereut hat, für die Nazis zu arbeiten (auch ganz direkt an Bomben mitgetüftelt!), weil sie ihm freundlicherweise seine ach-so-wunderbare Forschung finanziert haben, hochproblematisch – entweder vollkommen unreflektiert oder eine unlustige Provokation – oder ein augenzwinkerndes Bekenntnis? Mensch weiß es ja nicht!

    Jedenfalls müssen sich Leuten, die einer politischen Partei angehören oder nahestehen, auch Kritik auf ihre symbolischen Referenzen gefallen lassen und sich damit auseinandersetzen ohne in den vorpolitischen „ich mach was ich will, andere machen’s ja auch“-Reflex zu verfallen.

    Der Überhammer ist ja überhaupt die Rechtfertigung: Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich nicht zu fürchten! Wenn da die Pirat_innen nix dagegen zu sagen haben, dann können sie gleich für immer schweigen! Da steht nun wirklich die Glaubwürdigkeit in ihrer Kernkompetenz auf dem Spiel.

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  7. Es sind einfach zweierlei Dinge. Zum einen anzuerkennen, dass wir von Technik umgeben sind, die ihren Ursprung in der Rüstungsindustrie hat. Ein ganz anderes Ding ist es allerdings, sich auf einen konkreter Erfinder zu beziehen, der im Nationalsozialismus für die Waffenindustrie gearbeitet hat und das zu Lebzeiten auch nicht problematisch fand.

    Schließe mich den Ausführungen von „gelegenheitsposter_in“ vollkommen an!

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